Test:
Palm Treo 750v
Palm hat mit dem Treo 750v ein chices UMTS-Smartphone auf den Markt gebracht, welches auf Windows Mobile läuft. neuerdings hat den Treo getestet.
Soviel schon mal vorweg: Windows Mobile ist nicht sooo schlecht, wie ich zuerst den Eindruck hatte. Als ich den Treo in der Blogwerk-Konzernzentrale abgeholt habe, hatte ich zuerst ja eher gemischte Gefühle, und auch die ersten paar Tage mit dem Windows-Treo waren nicht wirklich eine Freude. Wenn man sich jedoch nach einiger Zeit an das Interface gewöhnt hat, geht alles ziemlich leicht. Beginnen wir aber von vorne.
Der Palm Treo 750v (das v steht für das Vodafone-Branding) ist inzwischen das zweite Smartphone aus dem Hause Palm, welches auf Windows Mobile läuft. Der Treo 750v wird von einem 300MHz Prozessor angetrieben und verfügt über einen internen Speicher von 128MB (wovon circa 60MB verfügbar sind), welcher jedoch via miniSD erweitert werden kann. Ferner verfügt er über einen Farbbildschirm mit einer phänomenal mageren Auflösung von 240 x 240 Pixel. Telefoniert wird mit dem Treo im Quadband-Bereich, surfen kann man via GPRS/EDGE oder UMTS (WLAN-fähig ist der Treo leider nicht). Gemäss Palm soll eine Akkuladung ausreichen, um den Treo während 10 Tagen im Standbymodus laufen zu lassen. In Tat und Wahrheit sind es bei mässiger Nutzung des Telefons knapp drei Tage, sobald man etwas mehr telefoniert und surft sogar nur zwei Tage. Aufladen kann man den Treo nur über das mitgelieferte Ladegerät – eine USB-Ladefunktion wäre sicherlich hilfreich gewesen. Wie bei den Treos üblich, ist auch der 750v mit einem Thumbboard ausgestattet, auf welchem man mit etwas Übung ziemlich schnell tippen kann. Zusätzlich kommt das Smartphone mit einer 1.3 Megapixel Kamera, welche jedoch nur mittelmässige Bilder schiesst. Mit einem Gewicht von gut 150g ist der Treo 750v eher auf der schwereren Seite, ist dafür aber für ein Smartphone angenehm klein. Soviel zu den Features – gehen wir ins Detail.
Thumbboard und Steuerung
Der Treo 750v kommt mit einem Thumbboard mit total 35 Tasten. Ferner dienen ein Fünf-Wege-Button, zwei Softkeys sowie ein Windows- und ein OK-Button der Steuerung. Mit zwei Daumen ist man nach einiger Angewöhnungszeit erstaunlich schnell, wenns sein muss, kann man jedoch auch mit nur einem Daumen tippen. Für meine Wurstfinger sind die Buttons des Thumbboards jedoch etwas zu klein bzw. zu dicht beieinander. Die Tatsache, dass der OK-Button das aktuell geöffnete Fenster bzw. Programm schliesst und der rote Knopf einen dafür direkt in die “Heute”-Ansicht zurückbefördert, war für mich zuerst etwas kontraintuitiv, finde ich inzwischen jedoch verkraftbar (schliesslich wird Windows auch via Start-Knopf beendet). Wagemutige können auf dem Treo 750v Text auch mit dem Stylus eingeben (die Schrifterkennung funktioniert wirklich sehr gut) oder auf dem Bildschirm eine Tastatur einblenden lassen. Ich wüsste jedoch spontan keinen Grund, wieso man zum Schreiben von Text auf den Stylus zurückgreifen sollte, da man wirklich fast alles über das Thumbboard erledigen kann und man, so gut die Schrifterkennung auch sein mag, mit dem Stylus garantiert langsamer ist als mit dem Thumbboard. Einzig bei der Konfiguration sowie bei einigen speziellen Funktionen/Tätigkeiten (zum Beispiel Emoticons einfügen, surfen oder die UMTS-Verbindung trennen), ist man auf den Stylus angewiesen (entweder das oder ich bin zu doof, um das ohne Stylus zu bewerkstelligen).
Telefonieren, SMS und Co.
Ich habe es bei neuerdings schon öfters gesagt, und werde es auch in Zukunft immer wieder sagen: mit einem Handy will ich zuallererstmal telefonieren und SMS schreiben können. Telefonieren ist mit dem 750v wie auf jedem anderen Handy: kein Problem. Im “Heute”-Fenster kann man einfach den Namen eintippen (Vor- oder Nachname) und dann per Fünf-Wege-Button die entsprechende Nummer auswählen. Alternativ ist es auch möglich, mittels Sprachwahl einen Anruf zu tätigen. Dies klappt im Normalfall überraschend gut. Die Sprachqualität ist grundsätzlich zufriedenstellend – einige Gesprächspartner haben sich jedoch über ein leichtes Rauschen beklagt. Zudem sollte man den Treo so einstellen, dass der Touchscreen während eines Gesprächs abgeschaltet wird, da sonst das Ohr dem Treo irgendwelche komischen Sachen befiehlt. Zudem sollte Palm oder Microsoft schleunigst einen Bugfix ins Netz stellen: nach dem Aufladen liess sich das Telefon nämlich nicht wieder einschalten (ich schalte das Telefon über Nacht jeweils aus) und konnte nur via Soft Reset dazu bewegt werden, neu zu starten. SMSen ist dafür ein wahrer Traum. Einerseits geht SMSen mit einem Thumbboard natürlich um einiges schneller als mit einem normalen Keypad, und andererseits stellt der Treo 750v alle SMS in Konversationsform dar (ähnlich wie bei GMail). Letzteres ist für mich das absolute Highlight des 750v. Da SMS (noch) ohne Betreff versendet werden, werde alle Nachrichten einfach nach Empfänger bzw. Absender sortiert, aber schon das erhöht die Übersichtlichkeit enorm.

MMS sind ebenso einfach erstellt und verschickt wie SMS. Fotos kann man gleich mit der eingebauten 1.3 Megapixel Kamera schiessen. Diese macht jedoch nur mässig gute Bilder und hat vor allem eine recht lange Verzögerung. Sprich: man muss den Treo nach Drücken des Auslösers noch mindestens zwei Sekunden lange still halten, da sonst das Bild verwackelt. Die Kamera ist auch eher für Outdoor-Fotos geeignet, da im Innern aufgenommene Schnappschüsse eher zu dunkel geraten:

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Internet & E-Mail
Der Treo 750v kommt standardmässig mit dem Internet Explorer sowie Outlook Mobile. Natürlich kann aber auch andere Software (zum Beispiel Opera) nachinstalliert werden. Wenn man in der Reichweite eines UMTS-Netzwerkes ist, ist das Surfen angenehm schnell. GPRS/EDGE ist zwar schon deutlich langsamer, reicht zum Beispiel fürs rasche Checken der E-Mails auf Googlemail jedoch immer noch aus. Jedoch (man kann es nicht deutlich genug sagen) wäre WLAN bei so einem Gerät Pflicht! Wenn ich bei mir zu Hause rasch die Mails checken will, ohne meinen PC hochfahren zu wollen, sollte ich nicht noch UMTS-Verbindungskosten zahlen müssen. Andere Hersteller schaffen es doch auch, WLAN in ihre Geräte einzubauen…
Auch wenn man eigentlich mit dem Fünf-Wege-Button durch die Seiten navigieren könnte, empfiehlt es sich hier, den Stylus zu verwenden. Das Scrollen und vor allem das Auwählen von Links ist so deutlich einfacher. Webseiten kann man sich in drei verschiedenen Modi anzeigen lassen: Desktop, Standard und Spalte (von links nach rechts und oben nach unten):
Wobei Spalte eindeutig am bequemsten ist, da das lästige Horizontalscrollen wegfällt. Zudem empfiehlt es sich, standardmässig die Anzeige von Bilder zu deaktivieren, da man so einerseits schneller ist, andererseits (sofern man keine Daten-Flatrate abonniert hat) auch Geld sparen kann. Mit den allermeisten Seiten hatte der Browser kein Problem, einzig bei komplexeren Geschichten wie zum Beispiel dem StudiVZ musste er passen.
E-Mails kann man einfach über den Outlook-Client lesen und versenden. Dabei gilt es bloss, die Servereinstellungen etc. einzugeben und schon sollte alles funktionieren. Wer eher auf Push-E-Mail steht, kann sich die ganze Sache natürlich auch via ActiveSync (setzt einen Exchange Server voraus) oder via Blackberry-Dienst von Vodafone (in Deutschland) einrichten und erhält so alle Nachrichten direkt auf den Treo, ohne jeweils aktiv die E-Mails checken zu müssen. Sollte man mal ein Word- oder Exceldokument per E-Mail erhalten, kann man dies natürlich auch gleich auf dem Treo anschauen und teilweise auch editieren.
Mobile Office und Co.
Fix zum Lieferumfang gehören das Mobile Office (Word, Excel und Powerpoint), der Picsel Document Viewer (PDFs anschauen) und der Windows Media Player. Auf meinem Testgerät funktionierte alles einwandfrei, nur Powerpoint wollte nicht so richtig. Ansonsten ist das Mobile Office wirklich genial: Excel-Datenblätter kann man genau so editieren wie Word-Dokumente. Auch wenn man auf dem Thumbboard nicht gerade eine ganze Dissertation wird schreiben wollen, ist schon nur die Tatsache, dass man solche Files “on the go” anschauen kann, ohne Abstriche machen zu müssen, absolut hilfreich.
Störend ist halt nur die Windows-Struktur, welche man auch hier zu spüren bekommt. Auf einem Smartphone will ich nicht meine Dateien in x verschiedenen Ordern und Unterordnern zusammensuchen müssen. Eine etwas schlankere Lösung fände ich hier deutlich benutzerfreundlicher:

Wie sich das für ein modernes Smartphone gehört, kann man die Daten mit Outlook abgleichen. Dies geschieht entweder via Kabel (im Lieferumfang enthalten) oder via Bluetooth, wobei letztere Option nicht ganz einfach zu konfigurieren ist. Die Synchronisation klappte bei mir annähernd einwandfrei, der Treo wollte bloss die untere “Weitere” gespeicherten Nummern nicht anzeigen.
Fazit
Obwohl der Treo 750v ein gutes Smartphone ist, ist er für mich zu stark ein PDA und zu wenig ein Handy. Bei einem durchschnittlichen Handy, erwarte ich einen halbwegs anständigen Wecker und einen Countdown (wie soll ich sonst wissen, wann meine Ofenpizza fertig ist?). Einen Wecker hat der Treo zwar, dieser ist jedoch unnötig kompliziert aufgebaut und erlaubt es nicht, einen beliebigen Weckton (zum Beispiel ein MP3) auszuwählen, welcher mich auch garantiert aus den Federn holt. Klar kann man Programme nachinstallieren aber etwas so triviales sollte wirklich zum Standardumfang gehören. Zudem würde ich gerne Klangprofile definieren. Zwar kann man den Treo ganz bequem mit einem kleinen Schieber auf “Lautlos” stellen, sobald man dann aber “Sonderwünsche” wie zum Beispiel “Lautlos ohne Vibrieren” oder so hat, wird es etwas schwieriger.
Dafür ist das Thumbboard natürlich ein absolutes Plus und auch die UMTS-Fähigkeit werde ich wirklich vermissen. Würde ich mir einen Treo 750v kaufen? Die Antwort lautet in diesem Fall nein. Für mich wäre solch ein Smartphone einfach “too much” denn für ein bisschen Telefonieren, einige SMS und etwas Surfen brauche ich nicht ein CHF 900 bzw. ?600 teures Smartphone. Wer jedoch auf Office-Applikationen und E-Mail auch unterwegs angewiesen ist, sollte sich den Treo mal näher anschauen. Dies aber auch nur, wenn er oder sie bereit ist, den Treo alle zwei Tage aufladen zu müssen.
Pro:
- Thumbboard
- UMTS
- Konversationsansicht bei den SMS
- Mobile Office und PDF Viewer
- Push E-Mail
Kontra:
- kein WLAN (wohl das grösste Manko)
- mühsame Bugs (Soft Reset nach dem Aufladen, Powerpoint)
- Synchronisation nur mit proprietären Kabel (USB zu mini-USB)
- magere Akkulaufzeit
- dürftige Kamera
Der Palm Treo 750v kostet im Handel (ohne Vertrag) circa ?600 bzw. CHF 900. Eine Alternative wäre zum Beispiel das von uns bereits getestete E61, welches inzwischen auch schon in einer upgedateten Version (E61i – nun auch mit Kamera) verfügbar ist. Das E61i kommt in den nächsten Monaten auf den Markt und soll um die ?400 kosten – sprich deutlich weniger als der Palm. Dafür muss man auf Windows Mobile und die eigentlich problemlose Synchronisation mit Outlook verzichten (Nokias grösstes Manko war bis anhin ja die Synchronisation mit PCs). Letzten Endes muss jeder User für sich selbst herausfinden, ob ein Smartphone mit Windows Mobile das Richtige ist oder nicht.



























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Die Synchronisation klappte bei mir annähernd einwandfrei, der Treo wollte bloss die untere “Weitere” gespeicherten Nummern nicht anzeigen.
Wie kann man dieses Problem lösen? Habe den Treo pro im einsatz, sollte aber von der Sync gleich sein!