Powerline funktioniert:
Zu Unrecht lange ignoriert

Habe seit kurzem in Home Office in der Wohnung unter der Wohnung. Wie sich zeigt, ein interessanter Fall für alle möglichen IT-Usecases, denn ich will natürlich nichts doppelt zahlen, vor allem kein Internet und Telefon.

Daher versuche ich unter anderem, das Internet von oben mit Powerline zu holen. Die Idee hatte der freundliche Elektriker, den ich schon beauftragen wollte, durch die Decke zu bohren, der dazu aber offenbar keine Lust hatte (oder meine nicht sehr hohe Zahlungsbereitschaft realistisch einschätzte), als er sich erinnerte, wie kompliziert die Verkabelung hier im Haus (einer ehemaligen Fabrik) war, als die obere Wohnung umgebaut wurde.

Powerline ist eine Technik, die ich nicht richtig auf meinem strategischen Radar habe, weiss gar nicht wieso, ist nämlich eigentlich super, und über WLAN ärgere ich mich sowieso jeden zweiten Tag, und hier jeden Tag, weil das Signal von oben (vermutlich dicke Decke und ganz entgegengesetztes Ende der Wohnung) einfach zu schwach ist.

Dabei hatte ich seit Jahren zwei devolo MicroLink dLAN Ethernet Adapter (Affiliate-Link) rumliegen, die ich mal privat von Swisscom Innovations geschenkt bekommen habe dafür, dass jemand einen halben Tag in meine damalige Wohnung durfte und dort messen, wie schnell unter realen Bedingungen man mit WLAN von einem Zimmer ins andere funken konnte (als Resultat dieser Feldtests wird heute Bluewin TV nicht mit WLAN-Verbindungen vom ADSL-Modem zur Settopbox installiert, sondern nur mit Kabel, glaube ich).

Die Installation dieser Dinger ist unglaublich einfach: Einstecken und läuft. Die mitgelieferte Software braucht man nur, wenn man das Signal verschlüsseln will, was auch schnell geht – man muss nur eine “Security-ID” eintippen, die auf den Adaptern angebracht ist:

devolo Assistent 2007-03-07

Oben in der Wohnung, in der auch das ADSL-Modem steht, konnte ich problemlos überall eine Verbindung herstellen. Nur bis in die Wohnung unten ging es nicht. Zwar “sahen” sich die beiden Adapter, wie die blinkenden LEDs und das Diagnosetool zeigten, aber die Verbindung war so schlecht, dass der hier unten sich nicht mal eine IP-Adresse abholte, geschweige denn man surfen konnte; ähnlich wie bei einem zu schwachen WLAN-Signal – also vom Regen in die Traufe.

Der Elektriker hatte gesagt, man könnte mit irgendwelchen Filtern noch irgendwas machen, da müsste ich den Experten fragen. Die Antwortmail, die mich während der Ferien erreichte, finde ich lesenswert. Namen von mir anonymisiert.

Sehr geehrter Herr Hogenkanp

Herr L. hat mir Ihr Problem weitergeleitet, ich bin der Telematiker unserer Firma. Nach Absprache mit Herrn N. habe ich erfahren, dass Sie noch alte schwarze Zähler mit Drehscheibe haben.

Das Problem sind wahrscheinlich diese Zähler, da Powerline mit diesen Zählern Probleme hat.

Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen

S. & Co. AG
S.K.

Vor allem dem zweiten Absatz über die Zähler kann man schwerlich widersprechen. :-)

devolo Informer 2007-03-07Seitdem habe ich immer, wenn das WLAN zickte, auf UMTS gewechselt, was allerdings auch etwas absurd ist, vor allem, weil Windows das Hin und Her manchmal gar nicht gut verträgt, dann mit gar nichts mehr connectet und man neu booten muss. Heute wurde es mir nun zu bunt, und ich habe nun einfach ein 15-m-Kabel von oben nach unten durchs Fenster gelegt und hier unten dann mit den Powerline-Adaptern vom einen Ende der Wohnung zur anderen weiterverteilt. Super Sache, klappte wieder auf Anhieb. Der “Informer” zeigt konstant 6 oder 7 Mbit/s, was nicht reicht, um Videos von oben nach unten zu streamen, aber bei allem anderen werde ich kaum einen Unterschied merken; sicher nicht beim Surfen, denn immerhin ist es sechsmal schneller als die Internetleitung. Ausserdem sind meine Dinger ja drei Jahre alt; inzwischen gibt es von devolo Produkte bis zu 200 Mbit/s. (Natürlich gibt es auch diverse andere Hersteller von solcher Powerline-Hardware, wie die Powerline-Übersicht bei Amazon (Affiliate-Link) zeigt.)

Fazit: Habe noch nie einen Test mit einem drei Jahre alten Produkt gemacht, geschweige denn veröffentlicht, und war auch noch nie von einem drei Jahre alten Produkt so begeistert. Aber so schnell habe ich noch nie viel Geld gespart. Muss nun nur noch schauen, wie ich das mit dem Kabel dauerhaft machen kann, denn einfach so einklemmen tut Ethernet-Kabeln ja auf Dauer nicht so gut. Ich glaube mich zu erinnern, dass es Kabel mit so abgeflachten Stellen gibt genau für Türen und Fenster; werde mir wohl so eins basteln lassen.

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6 Kommentare

  1. schrieb am 7. März 2007 um 07:45 Uhr (#)

    in-house: powerline super
    als internetleitungs-ersatz für adsl oder tv-kabel: unbrauchbar

  2. mds
    schrieb am 7. März 2007 um 08:58 Uhr (#)

    Ist es immer noch so, dass Powerline-Adapter direkt an der Steckdose hängen müssen und beispielsweise nicht über eine Steckerschiene betrieben werden können?

  3. Deepsync
    schrieb am 7. März 2007 um 09:18 Uhr (#)

    Ich habe meine Netgear Powerline Adapter an ner Schiene, das geht ohne Probleme. Ich verwende die 200 MB version.

    Das einzige Negative, was ich zu berichten weiss ist, dass die Dinger sehr heiss werden. Da stellt sich automatisch die Frage wieviel Strom die Dinger brauchen…

  4. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 7. März 2007 um 10:45 Uhr (#)

    Bö: Wikipedia schreibt in dem von mir verlinkten Artikel, es könne in ländlichen Gegenden wieder zum Einsatz kommen sollen oder so. Aber ich kann mich auch an die jahrelangen Experimente erinnern, an deren Ende es dann einfach hiess: Geht nicht.

    mds: Das hatte ich auch noch im Ohr. In der FAQ von devolo steht aber, es ginge beides.

    Deepsync: Laut FAQ gibt es bei den neueren Geräten einen Powersafe-Modus, von dem es aber nur heisst, sie brauchten dann 30% weniger Strom.

  5. mds
    schrieb am 28. April 2007 um 19:05 Uhr (#)

    Wer möchte Powerline eigentlich nicht verschlüsseln? ;)

  6. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 29. April 2007 um 19:39 Uhr (#)

    Eigentlich möchte man ja einfach alles verschlüsseln, da bin ich mit Dir völlig einig. Jacob Nielsen sagt schon seit etwa 10 Jahren, dass man eigentlich jede Art von Netzwerk-Traffic verschlüsseln sollte. im Intranet wie im Internet. Und was spricht auch dagegen – ausser dass es niemand anbietet.
    Das schreibe ich über eine unverschlüssele WLAN-Verbindung. Tja.

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