21 Zoll, beschreibbar

Wacoms Cintiq 21UX: Ein Zeichenblock, der so manchen Monitor in den Schatten stellt

wacom

Seit ich die ersten Grafik-Tabletts gesehen habe, wollte ich so ein Ding. Die Vorstellung, den Schritt von der realen- in die digitale Welt bei grafischen Arbeiten gewissermassen auszulassen, hat mich immer fasziniert. Und zeichnen mit der Maus macht nun mal ganz einfach keinen Spass.

Die drei verschiedenen kleinen Tabletts, die ich in den vergangenen jahren besessen habe, kamen zwar nur grade für Retouschen an meinen Fotos und gelentliche Amateurzeichnungen zur Anwendung – aber für viel mehr sind sie auch nicht gedacht. Die Übersetzung der Bleistiftstriche von einem A6-grossen, druckempfindlichen Eingabefeld auf den 17-Zoll-Monitor macht nämlich feine Pinsel- oder Kreidestriche rasch zu elefantösen Balken.

blogProfis verwenden deshalb hochauflösende Tabletts, welche die unsichtbare Zeichnerei möglichst eins zu eins auf dem Bildschirm abbilden. Aber auch dieser Vorgang ist noch von einem unnatürlichen Zwischenschritt geprägt – der Künstler zeichnet auf das vor ihm liegende Tablett und guckt dabei gradeaus auf das Resultat seiner Arbeit am Bildschirm. Es ist ein hirnverwickelndes Vergnügen, einem Profi wie beispielsweise dem Hollywood-Designer Christian Scheurer dabei über die Schulter zu gucken.

Ihm, aber auch allen angehenden Comic- und Videogame-Designern dürfte deshalb die neuste Generation der Tabletts eine grosse Hilfe sein: Sie bestehen aus der Kombination von Zeichenfläche und Monitor und benehmen sich gewissermassen wie digitales Papier.

Das Spitzenmodell des Tablett-Herstellers Wacom ist das Cintiq 21UX, wobei die Ziffer, wie zu vermuten war, für die Bildschirmdiagonale von 21 Zoll steht. Mit 1600 mal 1200 Pixeln weist das Tablett eine Auflösung auf, welche irgendwo zwischen derjenigen von 22- und 24-Zoll Monitoren liegt, und sie dürfte das verwöhnte Auge der Kreativen mit gestochen scharfen Bildern verwöhnen. Das Tablett ist selbstredend druckempfindlich, will heissen, es passt die Strichdicke dem Druck an, der mit dem (batterie- und kabellosen) Zeichenstift ausgeübt wird – und zwar in 1024 einzelnen Stufen. Zusätzliche Schnellzugriffstasten auf die wichtigsten Funktionen der gängigen Programme erleichtern den Profis die Arbeit.

Wie in der wirklichen Welt wollen Profis natürlich auch digital nicht ständig mit ein- und dem gleichen Stift arbeiten – deswegen gibt’s zum Cintiq vier verschiedene Eingabegeräte von der «Airbrush» über den «Marker» mit breiter Filzstift-Spitze bis zum bleistifthaft-spitzen «Classic Pen».

Mit seiner beeindruckenden Grösse und der noch beeindruckenderen Auflösung eignet sich das Cintiq, nach einem harten Arbeitstag in seinem Ständer für vertikale Platzierung gestellt, auch durchaus als Hauptmonitor zum Genuss einer DVD, wie Wired bemerkt.

Für den Augenschmaus von Zeichenblock, der noch dazu den Reddot-Design-Award des Jahres 2006 gewonnen hat, werden allerdings in Europa rund 3000 Euro fällig (Bestellungen in den USA könnten sich deswegen lohnen, hier kostet das Gerät nämlich grade mal knapp 2500 Dollar).

Und wer noch nicht ganz so weit ist, aber erste Gehversuche mit einem Tablett machen möchte, dem kann ich doch immer noch zum Kauf eines der kostengünstigen A6-Tabletts der Graphire-Klasse für 99? raten, die inzwischen deutlich besser aussehen als das alte Ding, welches ich seit Jahren benutze, das aber, wie die neuen Consumer-Geräte, noch immer fröhlich mit jeder Grafiksoftware zusammenarbeitet.

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