Garantiefall erprobt

Kingston bietet eine unbeschränkte Garantie auf Arbeitsspeicher.

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Kundendienst ist ein wunderbares Thema für Motzkerle wie mich. Und wer glaubt, in Europa ginge der Service den Bach runter, der sollte mal hier drüben in den USA versuchen, eine nicht funktionierende Telefonleitung/TV-Kabelschaltung/Warmwasseraufbereitung zu reklamieren. Meistens dauert sowas Stunden, und dann erklärt Jim von der Marketingabteilung, das liege leider ausserhalb seiner Kompetenz.

Anders verhält es sich mit Retouren – die Rückgabe oder Rücksendung von Waren, eine grade in der Schweiz kaum denkbare Handlung, ist in den USA an der Tagesordnung. 900 Dollar für eine Videokamera von Amazon, die ich nach drei Tagen als doch nicht ganz so gut eingestuft und kommentarlos zurückgeschickt hatte, wurden binnen Tagen ebenso anstandslos zurücküberwiesen.

Und jetzt habe ich grade die Probe aufs Exempel mit der Lebenszeit-Garantie des Speicher-Herstellers Kingston auf seinem ValueRAM gemacht.

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich nämlich zwecks Frühlingsputz und Fitnessprogramm für meinen Rechner zwei 512MB-Dimms erstanden. Danach den Rechner aufgerüstet und alles neu aufgesetzt, und sofort spielte die Kiste absolut verrückt. Sie erkannte meine USB-Drives nicht mehr, wollte die Backups nicht lesen können und fror immer wieder in ansonsten seit Windows 98 nie mehr gesehenen Bluescreens ein. Ein guter Freund aus der Schweiz, den ich nach drei Tagen in völliger Verzweiflung anrief, wurde hellhörig, als ich irgendwann nebenbei noch die Speicheraufrüstung erwähnte: «Nimm die Riegel raus, und du hast gute Chancen, dass die Kiste läuft.»

Er hatte vollkommen recht. Eines der Dimms war schadhaft, das andere liess ich in der Kiste, und ab sofort funktionierte alles wunderbar, der schuldige RAM-Riegel verstaubte in einer Schublade.

Kürzlich dachte ich mir dann aber, so schlimm könne ein bisschen schadhaftes Ram nicht sein und steckte das Ding wieder in den PC. Tatsächlich arbeitete der bis auf kleinere Ausrutscher ganz leidlich, aber kein einziges Backup wurde von der Prüfroutine mehr als sauber akzeptiert. Schliesslich habe ich begriffen: Ein falsches Bit hier, zwei dort spielen anfänglich keine grosse RolLe – aber je häufig¢r die Dateien gelesin und w@der gespeicYert werden, desto mehr F©hlér ônth@lten söä, w5n% oin te’ül ds ]rbeitszspYchêrs ons8ber 2rb’0itet.

Und WIE unsauber der Riegel arbeitet, zeigte mir schliesslich das kleine programm Memtest. Es schreibt und liest unablässig Daten in den Speicher und überprüft danach, ob die Informationen hundertprozentig identisch sind. Sind sie es nicht, sagt der Autor, dann muss der fehlerhafte Speicher umgehend ausgewechselt werden, und zwar auch bei nur einem einzigen Schreibfehler bei der Prüfung eines Gigabyte RAM.

blogIch hatte kaum den Finger von der Maustaste weggenommen, als Memtest nach der Prüfung von genau 0.3 Prozent des freien Ram den ersten Fehler meldete. Und dann klingelte es nur noch. Bis ich den verdächtigten Speicherriegel wieder aus der Kiste rausrupfte. Dann war Ruhe.

Nun, was tut man mit 512MB Ram, das immerhin einen Ladenpreis von knapp 100$ haben und nie funktionierten? Man macht Garantieansprüche geltend. Jedenfalls beim Markenhersteller Kingston, der eine Gewährleistung auf Lebenszeit bietet. Und das für ein hochempfindliches elektronisches Geräteteil, das durch die Entladung eines Paars aufgeregter Nylonsocken zerbruzzelt werden kann. Weswegen alle Anwender, die ihren Rechner aufschrauben, immer ein Erdungskabel zwischen ihrem Handgelenk und einem Heizkörper montieren.

Ein jahr nach dem Kauf also melde ich auf der Kingston-Webseite meinen Schaden an. Sorry, das dürfen nur Amerikaner: Alle ausserhalb der USA lebenden Kingston-Kunden müssen den Riegel dahin zurücktragen, wo sie ihn gekauft haben. Nach meiner Erfahrung allerdings rate ich sehr dazu, genau dies zu tun: Der Hersteller scheint dermassen kulant zu sein, dass auch die Retailer sich kaum ihren Pflichten entziehen können.

Mein Vorteil bestand indes darin, dass ich noch nicht mal eine Quittung hervorkramen musste: Schaden im Webformular anmelden, Ram-Typ angeben, auf Email mit Instruktionen warten. Drei Tage später kommt die Mail: Mit der Aufforderung, den Riegel einigermassen fachgerecht verpackt bei der nächsten FedEx-Abgabestelle zusammen mit einem Prepaid-Code von Kingston (!) abzugeben. Wiederum drei Tage später, nämlich heute morgen, war der neue Riegel in der Express-Post.

Fazit: Manchmal meinen es die Hersteller mit ihren Garantieversprechen sogar ernst. Und in diesem Fall hat mich die Aktion fünfzehn Minuten Aufwand und keinen Cent gekostet; Kingston hat sie mindestens einen überzeugten künftigen Kunden eingebracht.

Unnötig zu bemerken, dass ich für einmal die plastikbesohlten Pantoffeln ausgezogen und für ständigen Kontakt meiner grossen Zehe mit dem Heizkörper gesorgt habe, als ich das Teil installierte. Könnte ja sein, dass Kingston bei einer zweiten Rücksendung anfängt, Fragen zu stellen…

Leute, habt Ihr ähnliche positive Erfahrungen (ich meine mit Garantieansprüchen, nicht mit dem Zehen-am-Heizkörper-Trick)?

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6 Kommentare

  1. Paddy
    schrieb am 16. Februar 2007 um 08:44 Uhr (#)

    Solche Beispiele sind selten. Kenne ich fast nur noch aus dem kleinen örtlichen Fachhandel. Zum Beispiel der Optiker hier im Dorf, der unserem kleinen Sohn schon unzählige Male (und kostenlos) die Brille neu gerichtet oder gar gelötet hat, weil seine Schwester mal wieder handgreiflich wurde oder er auf die Schnauze flog. :-)

  2. leu
    schrieb am 16. Februar 2007 um 09:01 Uhr (#)

    Ich habe die gestern erwähnte iomega Netzwerkplatte durch ein Firmware Update sozusagen verloren. Das war kurz vor Ablauf der Garantiezeit, also ich hatte die Platte schon fast ein Jahr im Gebrauch. Vorgestern habe ich dann vom Händler (Fa. heiniger in Niederbipp) die Nachricht erhalten dass iomega die HD nicht reparieren kann und ich Anspruch auf eine neue HD habe für den damaligen Einkaufswert. Ich konnte mir also für 350.- eine neue Ethernet Disk bestellen. Damit habe ich jetzt anstatt 250GB neu 320GB und ein Modell von LaCie das hoffentlich nicht so viel Lärm macht. Mich hat erstaunt dass mir iomega nicht einfach eine neue Harddisk geschickt hat, sondern dass ich freie Wahl hatte. Prima Kundendienst von Heiniger oder iomega. Keine Ahnung von wem.

  3. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 16. Februar 2007 um 11:20 Uhr (#)

    Has wärs doch wert, mal Heiniger zu fragen? Und wie auch immer, seine Webseite hier zu posten. Schleichwerbung für überdurchschnittlichen Kundendienst finde ich absolut in Ordnung.

  4. Marcel
    schrieb am 16. Februar 2007 um 20:19 Uhr (#)

    Na ja, kleiner Fall und auch nicht direkt technisch:

    vor einem Jahr haben wir ein paar Fotokalender bei Kodak bestellt. Einer war fehlerhaft, also haben wir ihn zurueckgeschickt und daraufhin prompt und anstandslos das Geld zurueckerstattet gekriegt.

    und bei Kleiderversanden (z.b. Lands End) haben wir das auch schon oefter gemacht – Kleider zum anprobieren bestellen, bei nichtgefallen wieder zuruecksenden. Kein Problem.

    Ich ueberleg mir grad, ob ich auch mal Nokia’s return policy testen soll und mir fuer $499 mal das N80ie zum ausprobieren bestelle … mal gucken …

  5. Alexander
    schrieb am 17. Februar 2007 um 21:12 Uhr (#)

    Seagate war ebenfalls sehr kulant, die SCSI Platten haben eine Garantiezeit von 5 Jahren. Nach jeweils 3 und 4.5 Jahren sind mit zwei Seagate Barracudas den Bach heruntergegangen. Ich musste die Platten damals in die Niederlande einschicken und habe anstandslos Ersatz bekommen.

  6. Paddy
    schrieb am 17. Februar 2007 um 21:48 Uhr (#)

    Na, also, wenn man etwas innerhalb der Garantiefrist umgetauscht bekommt, dann nenn’ ich das nicht kulant. Im besten Fall ist das “Versprechen gehalten”. Oder?

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