Ohrhörer für den iPod:
Die Oberklasse im Vergleichstest, Teil 2

Link zu Teil 1

Im ersten Teil unseres Ohrhörertests haben wir unsere Vergleichsreferenzen unter die Lupe genommen, nämlich den Sony MDR-EX71 für 30 Euro und den Etymotic ER-4S für 250 Euro. Nun schauen wir uns an, was unser Testfeld von vier Ohrhörern um die 130 Euro relativ zu diesen beiden Extremen zu bieten hat.

200612051205

200612051205

Der erste Proband stammt ebenfalls von Etymotic Research: Der ER-6i. Das “i” steht natürlich für iPod, denn diese Produktversion ist spezifisch für portable Player optimiert. Das bezieht sich vor allem auf die Verwendbarkeit mit den eher schwachbrüstigen Verstärkern, die in MP3-Playern normalerweise zu finden sind. Den ER-6i gibt es in schwarz oder iPod-konformen Weiss für rund 125 Euro.

Seine Verwandtschaft mit dem grossen Bruder aus dem Hause Etymotic verschweigt der kleine ER-6i keine Sekunde: Die gleichen Isolationsgummis für die Abdichtung gegen Umgebungsgeräusche werden verwendet, und auch die Klangcharakteristik ist vergleichbar. Bassorgien sind nicht die Stärke der Etymotic-Produkte, aber in Sachen Klangdetails macht ihnen keiner der Konkurrenten was vor. Der ER-6i ist diesbezüglich nicht ganz so präzise wie der grosse Bruder, bietet dafür aber etwas mehr Bass. Ein guter Kompromiss, aber insgesamt immer noch sehr auf der hell klingenden Seite.


Der ER-6i ist klein und leicht, und diesen Vorteil bezahlt man leider mit einer nicht sehr stabilen Bauart. Im Langzeittest fing das Innenleben einer der Hörerkapseln an zu wackeln, weil die normalen Kabelbewegungen im mobilen Einsatz der Konstruktion offenbar arg zusetzten. Die Etymotics setzen winzige Klangfilter ein, die im Tonkanal stecken. Leider sind diese kleinen Dinger sehr empfindlich gegen jede Art von Feuchtigkeit und müssen darum gelegentlich ausgetauscht werden. Ziemlich viel Wartungsintensität für einen Kopfhörer also.

200612051215

200612051215

Klanglich und optisch eng verwandt mit dem ER-6i ist der neu erschienene Altec Lansing IM616. Kein Wunder, Altec Lansing verwendet die Technologie von Etymotic und hat sie neu verpackt. Der resultierende IM616 wirkt um einiges robuster als die Etymotic-Originale. Das Kabel ist nicht zu dick und nicht zu dünn, so dass der IM616 insgesamt recht gute Praxisnoten kriegt. Ein schlechter Scherz ist hingegen das mitgelieferte Trageetui, das nicht nur hässlich, sondern auch noch absurd gross ist.

Einen Nachteil teilt der Altec Lansing aber mit den Etymotic-Produkten: Damit diese Ohrhörer optimalen Klang liefern, muss man sie ziemlich tief in den Gehörgang einführen. Das ist nicht nur etwas fummelig, sondern kann nach einiger Tragezeit auch sehr unbequem werden. Alle diese drei Produkte sind also nicht unbedingt das Richtige für sehr langes Musikhören und aufgrund ihrer sehr starken Geräuschisolierung definitiv nicht für den Einsatz im Strassenverkehr zu empfehlen. Für zu Hause und im Flugzeug oder Zug bieten sie aber exzellenten Klang für eher audiophil orientierte Musikliebhaber.

200612051225

200612051225

Grösster Konkurrent von Etymotic ist Shure, schon seit vielen Jahren einer sichersten Werte im Audiobereich. Shure bietet eine ganze Palette von High-End-Ohrhörern an. Am besten in unser Testfeld passt der Shure E3c, erhältlich um die 140 Euro. Im Gegensatz zu den Etymotic-Produkten muss man den Shure nicht ganz so tief ins Ohr stopfen, und daher ist der Tragekomfort auch tendenziell besser. Das Kabel ist hingegen etwas zu unbiegsam und neigt dazu, beim Gehen störende Reibungsgeräusche zu produzieren.

Klanglich ist der Shure mit der Etymotic-Konkurrenz auf praktisch gleichen Niveau, wenn auch mit etwas anderem Charakter. Der Shure klingt weniger hell, sondern betont eher die Mitten, die er auch recht warm wiedergibt. Darum hört man mit dem Shure nicht ganz so viele Details, aber er strengt dafür bei langem Hören auch deutlich weniger an. Wer eher Popmusik als Klassik oder Jazz hört, ist mit dem Shure besser bedient.

Eine Enttäuschung ist allerdings die Bauart des E3c. Die Gummipropfen, die man sich ins Ohr steckt, fingen sich nach einiger Zeit an zu lösen, und das ist nicht gerade beruhigend für den täglichen Einsatz: Wer will schon, dass so ein kleines Gummiding im Gehörgang steckenbleibt? Ausserdem besteht die Ohrhörer aus je zwei zusammengesteckten Plastikteilen. Im Test brachen diese Teile bei einem der Hörer auseinander. Ein Produkt für den mobilen Einsatz sollte schon etwas stabiler sein.

200612051238

200612051238

Weniger Probleme mit der Robustheit hat man beim letzten Probanden, dem Ultimate Ears super.fi 3 studio. Ultimate Ears ist eine Firma, die Headsets für Profimusiker herstellt, und im harten Bühneneinsatz ist natürlich Widerstandsfähigkeit gefragt. Das merkt man dem Produkt, das je nach Händler zwischen 99 und 145 Euro kostet, auch deutlich an: Vom Kabel über die Hörerkapsel bis zur Aufbewahrungsbox aus Metall ist alles sehr massiv gebaut.

Klanglich ist der super.fi 3 auch sehr solide, verglichen mit seinen Konkurrenten geradezu bodenständig. Der Bass ist etwas ausgeprägter als bei den anderen getesteten Produkten, die Höhen dafür zurückhaltender. Die Mitten werden warm und in ziemlich differenzierten Klangfarben wiedergegeben, was bei langem Hören angenehm wirkt. Hinzu kommt eine recht hohe Empfindlichkeit, so dass der Ultimate Ears auch mit relativ schwachen Verstärkern laut und dynamisch spielen kann. Das ist für Pop und Rock garantiert kein Nachteil.

Der super.fi 3 sitzt nicht so tief im Ohr wie seine Konkurrenten, was die Schallisolierung reduziert, aber dafür den Tragekomfort verbessert. Überhaupt bekommt das Ultimate-Ears-Produkt im Vergleich die höchsten Noten für Praxistauglichkeit, auch wenn das Kabel durch seine massive Bauart etwas widerspenstig ist und damit gelegentlich Reibungsgeräusche verursacht.

Im nächsten und letzten Teil: Das Fazit.

 

Mehr lesen

HSTI MoboPlay im Test: Universalgenie für Multimedia-Freaks

30.8.2012, 2 KommentareHSTI MoboPlay im Test:
Universalgenie für Multimedia-Freaks

Der HSTI Moboplay spielt Musik, Videos oder Fotos von vielen Medien über HDMI oder AV-Out ab. Wir testeten aus, wie gut er das kann und wie einfach sich das kleine Kistchen bedienen lässt.

Teufel Raumfeld One: Musik liegt in der Luft

7.1.2012, 3 KommentareTeufel Raumfeld One:
Musik liegt in der Luft

Audio-Streaming wird eines der großen Themen in diesem Jahr. Viele grosse Hersteller bauen derzeit ihr Sortiment in diesem Bereich aus. Auch Teufel mischt hier mit und erweitert die Raumfeld-Reihe um den kompakten All-in-One Streaming-Stereo-Speaker Raumfeld One.

Chumby One im Test: Wecker mit Widgets

20.1.2010, 10 KommentareChumby One im Test:
Wecker mit Widgets

Chumby One ist ein Nachttisch-Gadget für alle diejenigen, die nicht per iPhone rund um die Uhr mit der Welt verbunden sind.

Logitech Keys-to-go: Ultraschlanke Bluetooth-Tastatur verträgt auch eine Tasse Kaffee.

28.10.2014, 1 KommentareLogitech Keys-to-go:
Ultraschlanke Bluetooth-Tastatur verträgt auch eine Tasse Kaffee.

Logitechs neueste Tastatur Keys-to-go ist dazu gedacht, als mobiler Begleiter immer zur Hand zu sein, wenn etwas zu tippen ist. Sie ist flach, klein und robust. Dank ihrer sogenannten FabricSkin-Oberfläche ist sie vor Schmutz, Krümeln und Flüssigkeiten geschützt

Hemingwrite: Das perfekte ablenkungsfreie Schreibgerät?

25.10.2014, 5 KommentareHemingwrite:
Das perfekte ablenkungsfreie Schreibgerät?

Hemingwrite ist einer der Semi-Finalisten im Hardware-Wettbewerb Insertcoin von Engadget. Das Gerät richtet sich an Menschen, die viel schreiben und möglichst nicht durch E-Mail, Messenger und die Verlockungen des Internets abgelenkt werden wollen.

24.10.2014, 4 KommentareBargeldlos zahlen:
Das Smartphone als Zahlungsmittel oder als Kasse

Apple Pay ist gerade in den USA gestartet. Das iPhone 6 (Plus) ersetzt dann bei bestimmten Handelspartnern die physische Kreditkarte. Aber es gibt auch Systeme, bei denen das Smartphone als Kasse für die EC-Kartenzahlugn dient. Besonders praktisch für kleinere Betriebe und Selbständige. Und für Kunden, die weniger Bargeld mit sich führen müssen und sich Überweisungen oder den Gang zum Geldautomaten sparen können.

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen.

* Pflichtfelder