Microsoft Zune tut sich scheinbar schwer

Andreas Göldi, 3. Dezember 2006 02:02 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

200612021957Wenige Wochen vor Weihnachten wird immer klarer: Microsofts neuer Musikplayer Zune wird kein Verkaufsschlager. Dafür kriegt man ihn manchmal überraschend in Pink aufgedrückt.

Als Microsoft vor Monaten den vermeintlichen iPod-Konkurrenten Zune ankündigte, waren die Erwartungen gross. Schliesslich war es ein reichlich radikaler Schritt weg vom alten Microsoft-Konzept der Zusammenarbeit mit anderen Herstellern von MP3-Playern, hin zum geschlossenen System, das vom Prinzip her fast 1:1 von Apple kopiert wurde. Die Gerüchte überschlugen sich, viele erhofften sich endlich eine starke Konkurrenz zum übermächtigen iPod. Aber je mehr Details bekannt wurden, umso grösser wurde die Ernüchterung: Die WiFi-Fähigkeiten entpuppten sich als limitiert auf den Musikaustausch zwischen Zune-Geräten; mit direktem Internet-Zugang war nichts. Dass Microsoft den umsteigenden iPod-Usern angeblich die bei Apple gekauften Musikstücke im Zune-Format schenken würde, stellte sich als Falschmeldung heraus. Das Gerät selbst war auch noch grösser als ein gleichwertig ausgestatteter iPod, und während man sich über das Design immer streiten kann, habe ich noch niemanden getroffen, der den Zune schöner fände. Ach ja, und in Europa wird der Zune auch noch einige Zeit lang nicht erhältlich sein.

Zu allem Überfluss erhielt auch ausgesprochen diejenige Komponente die vernichtendsten Kritiken, in der Microsoft eigentlich glänzen müsste: Die Software. Offenbar ist es ein echtes Problem, den Zune zum Synchronisieren mit dem PC zu bewegen. Und die Zune-Software läuft ohne Update noch nicht mal unter Microsofts neuem Windows Vista. Peinlich.

Wie stark das alles die Zune-Verkäufe negativ beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Eins ist aber klar: Dem iPod wird der Zune bei weitem nicht gefährlich. Während der neue Player in seiner ersten Verkaufswoche in den USA immerhin die Nummer 2 hinter dem iPod erreichte, scheinen die Verkäufe jetzt ziemlich einzubrechen. In der Elektronik-Verkaufsstatistik von Amazon.com steht der Zune heute gerade mal auf Platz 66, weit abgeschlagen hinter den Konkurrenzmodellen von Apple, Creative und SanDisk.

Wer denkt, dass sich der Zune vielleicht wenigstens offline in Ladengeschäften gut verkauft, könnte sich arg täuschen. Letzte Woche, am “Black Friday”, dem grössten Shoppingtag im amerikanischen Kalender, habe ich mir in einer grossen Mall in Dallas, Texas, mal die Präsenz der beiden Produktfamilien angeschaut.

Über iPods stolperte man an jeder Ecke. Dazu gab es tonnenweise Zubehör, das auf den iPod optimiert ist. Zunes fand ich hingegen nur in zwei Shops, einem Brookstone und einem gut versteckten Videogame-Laden. In beiden musste man aber schon bewusst nach dem Zune suchen, um auf das Microsoft-Gerät zu stossen. Die Präsentation in winzigen Glasvitrinen war nicht nur lieblos, sondern geradezu geschäftsschädigend: Berühren oder ausprobieren konnte man nix, dabei wäre das gerade bei einem neuen Gerät essentiell. Gleich nebenan im prächtigen Apple-Store spielten Dutzende von Leuten an den neusten iPod-Modellen (auf die es an dem Tag auch noch Rabatt gab) herum. Um abzuschätzen, welches Gerät da mehr verkauft wurde, brauchte man wirklich keine offizielle Statistik.

Nun macht sich Microsoft auch noch mit gutgemeinten, aber allzu schrägen Marketinggags lächerlich: In 100 Verpackungen für die braune Version steckt ein pinkfarbener Zune (oben im Bild). Ob sich dafür die überraschten Käufer wohl begeistern können?

Das ist alles einigermassen enttäuschend, zumal die meisten Kritiker zumindest dem eigentlichen Zune-Gerät durchaus positive Noten erteilen. Dass Microsoft aber ausgerechnet die PC-Software und das Retail-Marketing nicht richtig hinkriegt und auch noch verpennt, sich die Domain zune.com zu sichern, ist schon sehr merkwürdig.

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2 Kommentare

  1. bugsierer
    schrieb am 3. Dezember 2006 um 10:30 Uhr (#)

    das mit der domain zune.com ist ja wirklich der hammer. unglaublich. aber da kennen wir ja noch eine andere bekannte firma, die das verpennt hat: schweiz.com. wenn ich darüber nachdenke, orte ich zwischen den beiden noch weitere parallelen.
    merci für den tollen text.

  2. Guido
    schrieb am 3. Dezember 2006 um 11:56 Uhr (#)

    … ja kann es denn wirklich jemanden wundern, dass der Abgleich mit Windows schwer fällt? *lachweg*

    Mich nicht…

    Gruß Guido

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