Pocket Web - mobile Unabhängigkeit für Einsteiger?

Damian Amherd, 22. September 2006 17:52 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Gemäss 1&1 hat man mit dem Pocket Web “E-Mails und Internet immer dabei”. Leeres Versprechen oder cooles Gadget?

Pocket Web1&1 ist sonst ja eher als Internet-Provider bekannt. Das Pocket Web - eine Art PDA/Smartphone - hat es aber dennoch verdient, etwas genauer untersucht zu werden. Glaubt man der Werbung, kriegt man nämlich für relativ wenig Geld viele nützliche Funktionen: E-Mail, Internet, Kalender, Adressbuch und Telefonie/SMS. Und dies alles nur für knapp ?10 pro Monat. Sie werden sich sagen: “Die Sache hat doch sicher einen Haken!” Hat sie auch …

Auf den ersten Blick sieht alles schön und gut aus. Für sehr wenig Geld kann man immer und überall E-Mails lesen und im Internet surfen. Schaut man aber etwas genauer hin, erkennt man rasch, dass es sich beim Pocket Web eher um ein Spielzeug als um ein Arbeitsgerät handelt.

Mit seinen 11.5 cm x 7.5 cm ist das Pocketweb in etwa gleich gross wie ein Palm Handheld. Das Plastikdesign hat einen äusserst billigen Touch, jedoch will man mit dem Gerät ja arbeiten und nicht eine Modeschau bestreiten. Ferner kann man für die knapp ?50 auch nicht ein Design à la Apple erwarten. Gesteuert wird das Pocket Web über eine QWERTZ-Tastatur und einen 8-Wege-Button. Ferner gibt es auf der Tastatur Hotkeys um z.B. schnell die E-Mail Anwendung zu starten. Das Farbdisplay (4′000 Farben) misst knapp 7 cm x 4.5 cm und läuft mit einer Auflösung von 240 x 160 Pixel. Gemäss 1&1 hat das Pocket Web eine Standby-Zeit von 120h und eine Betriebszeit von 2.5h.

Pocket Web in useMittels Push-Verfahren kann man unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltsort E-Mails empfangen. Da dies über IMAP geschieht, hat man kein Problem mit E-Mails, welche immer auf dem falschen Gerät sind. Jedoch funktioniert das Pocket Web nur mit E-Mail Adressen von GMX, 1&1 oder web.de. Wer nicht stolzer Besitzer einer solchen Adresse ist und dennoch das Pocket Web nutzen will, muss sich eine solche einrichten und die E-Mails vom bestehenden Account auf die neue Adresse forwarden lassen. Schreibt man ein E-Mail, sind maximal 4′000 Zeichen möglich - dies entspricht in etwa einer guten A4-Seite Text. Interessanterweise dürfen sowohl eingehende E-Mails als auch Antworten auf eingegangene E-Mails (inkl. Zitat) maximal 10′000 Zeichen enthalten. Auf unsere Anfrage, wie sich diese Diskrepanz genau erklären lässt, hat 1&1 nicht wieder geantwortet. Folgende Dateianhänge werden vom Pocket Web unterstützt: JPG, GIF, BMP (!), TXT (!), DOC & PDF. Bei einer Auflösung von 240 x 160 Pixel dürfte dabei aber wohl kein wirklicher Sehgenuss aufkommen.

Ins Internet gelangt man via GPRS, sprich es sind in etwa Übertragungsraten von 50Kb/s möglich. Der Browser unterstützt jedoch weder Frames (diese werden nacheinander statt nebeneinander angezeigt) noch Java noch Plugins wie Flash und Konsorten. Der Surfspass wird daher ziemlich limitiert. Dass der Pocket Web Pop-Ups ebenfalls nicht anzeigen kann, mag ja eine angenehme Seite haben (man wird weniger mit Werbung belästigt), jedoch vernunmöglicht dies das Surfen auf vielen Seiten. Dank einer Flatrate von ?9.99 pro Monat kann man wenigstens ohne Zeit- oder Datenbeschränkung surfen.

Dass sowohl ein Adressbuch als auch ein Kalender eingebaut wurde, ist sicherlich hilfreich, jedoch sucht man vergebens nach einer Synchronisationsfunktion. Web Pocket lässt sich also weder mit den Outlook-Kontakten noch mit dem GMX-Adressbuch abgleichen. Das Argument, dass man für so wenig Geld halt nicht alles bekommt, wurde bereits etwas überbeansprucht. Wer will schon alle Kontakte von Hand kopieren?

Pocket Web TascheNebst den oben beschriebenen Funktionen kann man mit dem Pocket Web auch telefonieren (über das mitgelieferte Headset - alternativ auch via Bluetooth-Headset, welches extra kostet) und SMS schreiben. Dies geschieht übers Vodafone-Netz und kostet ?0.29/Minute ins Festnetz und ins Vodafone-Mobilnetz und ?0.59/Minute in andere Mobilfunknetze. SMS kosten ?0.19. Mit einem SMS-Paket kann man für ?9.99 pro Monat 100 SMS versenden.

Schliesst man für 24 Monate einen Vertrag ab (Internet-Flatrate pro Monat: ?9.99), erhält man von 1&1 das Pocket Web, die SIM-Karte und ein Headset für ?49.99. Meldet man sich zusätzlich noch für das SMS-Paket an (?9.99 pro Monat - 100 SMS inklusive), kostet das Gerät nur noch ?1. Die SIM-karte darf man jedoch nur mit dem Pocket Web benutzen - man kann also nicht mit einem anderen Gerät von der Flatrate profitieren. Im Übrigen können zur Zeit nur Leute in Deutschland von Pocket Web “profitieren”.

Naja, scheinbar gibt es einen Grund, wieso BlackBerrys deutlich teurer sind als das Pocket Web: sie funktionieren. Das Pocket Web ist ja wirklich billig, aber gleichzeitig weist es einfach zu viele Mankos auf, um als Arbeitsgerät durchzugehen. Für knapp ?50 (plus ?10 pro Monat) erhält man ein Spielzeug, welches wohl mehr frustiert als Spass macht. Wie oben beschrieben wurde, ist der Surfspass enorm eingeschränkt und wenn man keine E-Mail Adresse bei GMX, 1&1 oder web.de hat oder haben will, ist das Gerät schon fast nutzlos. Da gibt man meiner Meinung nach halt lieber etwas mehr aus und hat dafür auch was rechtes.

Update (26.9.2006 - 15:14): Nun hat 1&1 doch noch auf meine Anfrage (wieso man bei “normalen” E-Mails nur 4′000 Zeichen zur Verfügung hat während man bei Antworten 10′000 Zeichen verwenden kann) geantwortet:

Weil bei einer Antwortmail bzw Weiterleitung die Ursprungsmail noch mitgesendet werden kann. Was demzufolge 4000 + 4000 + Sicherheitsdifferenz ausmacht.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche.

Mit freundlichen Grüssen

Customer Care Service
1&1 Internet AG

Soso, jeder andere E-Mail-User hat ja auch nur 4′000 Zeichen zur Verfügung, deshalb macht die Rechnung ja auch wahnsinnig Sinn … Für mich ist das eher eine Schikane der Kunden …

Weiterführende Links:
Pocket Web
1&1
BlackBerry

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7 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Kasimir

    schrieb am 23. September 2006 um 17:52 Uhr (#)

    Guten Tag
    Endlich hat sich jemand mit den Pocket Web
    KRITISCH befasst. Danke. Ich überlegte schon die ganze Zeit, seit dem Erscheinen, ob ich mir dieses Teil beschaffe. Mich hat bisher die lange Laufzeit des Vertrages und die nicht vorhandene Speichererweiterung am Erwerb gehindert. Nun hat sich die Sache, mit diesem Artikel , erledigt:Wenn man nicht mal anständig serven kann. Danke

  2. reidan

    schrieb am 24. September 2006 um 23:00 Uhr (#)

    haben wir das nicht schon in der schweiz als “ogo” von swisscom gesehen?

  3. Damian Amherd

    schrieb am 24. September 2006 um 23:35 Uhr (#)

    Hallo Reidan

    Der Ogo (das Ogo?) und das Pocket Web sind tatsächlich die exakt selben Geräte. Ogo hat jedoch andere Funktionen als das Pocket Web:
    - Instant Messaging über MSN ist möglich
    - E-Mail wird von jedem Anbieter unterstützt
    - man kann bis zu 5 E-Mail Konten einrichten
    - E-Mail Anhänge können nicht geöffnet werden
    - im Internet surfen geht nicht
    - Ogo hat keine Telefonfunktion
    - Ogo hat keinen Kalender

    deshalb gilt der Ogo (trotz der halbwegs anständigen E-Mail Funktion) für mich noch weniger als Arbeitsgerät als das Pocket Web. Swisscom will dies aber auch gar nicht und vermarktet den Ogo gezielt an Teenager. Mehr Infos findest du sonst unter:
    ogo.ch

  4. Benji Wiebe (pocketweblog.de)

    schrieb am 26. September 2006 um 15:31 Uhr (#)

    “Nun hat sich die Sache, mit diesem Artikel , erledigt:Wenn man nicht mal anständig serven kann.”
    Anständig surfen ist sicher Geschmacksache. Mir macht der Pocketweb auch nach 2 Monaten noch Spaß. Meine Mails leite ich in Kopie auf den Ogo-Account, komme also immer dran. “Surfen” ist relativ, sicher kein vergleich mit DSL daheim, aber ich kann tatsächlich nachrichten lesen, Zugverbindungen raussuchen, Blogs per RSS-reader verfolgen, per webinterface chatten, Informationen in der Wikipedia nachschlagen, Mailen usw… und das ist dann doch ziemlich günstig für 10 Euro/Monat.

  5. Patrick

    schrieb am 8. Mai 2007 um 16:11 Uhr (#)

    also ich bin begeistert vom pocket web. eine cd zum syschronisieren ist auch dabei. meine kontakte von outlook und die kalenderdaten werden überspielt - was will ich mehr? die grafik ist zwar nicht so doll, mein handy hat eine bessere, aber für 59 euro und 9,99 euro pro monat kannman man kein hi-end erwarten. ich bin im ebay oder stauwarnungen, lese emails und versende diese. kann im wikipedia nachschlagen und so weiter. dazu sms senden und telefonieren. letzteres über mein bluetooth hörer von motorola, das ich für mein handy gekauft habe. es funktioniert hier bestens.

  6. bruno

    schrieb am 30. September 2007 um 19:47 Uhr (#)

    Ich habe seit 2 Tagen ein Ogo Pocket Web, und bin sehr zufrieden damit. Sicher, Flash-Darstellung wären nett, ein MP3-Player und eine Kamara ebenfalls, und natürlich auch die Möglichkeit Videos abzuspielen. Das dürfte im Budget aber einfach nicht darstellbar sein. Ich zahlte für das Gerät bei 1&1 nichts. Lediglich 10 Euro monatlich für die Flatrate. Dies ist ein sehr gutes Angebot. Wer die o.g. Features möchte, kann sich ja für viel Geld ein Blackberry kaufen, und hat dann die Wahl zwischen einem Blackberry im schlanken Design aber mit mieser (weil mehrfach belegter Tastatur), oder einem Blackberry mit guter Tastatur aber einem völlig unhandlichen Format. Da lob ich mir den Pocket Web, der schön aufklappbar, und somit auch noch displayschonend ist. Ich bin mit dem Gerät sehr zufrieden. Die Bedienung ist sehr einfach. E-mail funktioniert gut und das Surfen mit der 8-Wege-Tastatur funktioniert -wider Erwarten- bestens. Die Schnelligkeit ist auch durchaus ok, ich hätte mit wesentlich längeren Ladezeiten gerechnet. Praktischerweise ist die Startseite des Browsers mit allerlei nützlichen Links ausgestattet, sodaß man auf wichtige Seiten mit wenigen Klicks zugreifen kann. SMS kann man auch verschicken, für 19 cent oder im Paket für 9,99 Euro/Monat. Billiger ist es einfach ein Lesezeichen zu einem Free-SMS-Anbieter im Browser zu setzen. Dann ist der SMS-Versand ebenfalls kostenlos. Telefonieren geht per Headset auch. Die Sprachqualität ist gut, ebenso die Akku-Laufzeit. Das einzige was mir wirklich mißfällt ist das Design, aber auch daran gewöhnt man sich. Alles im allem ein sehr gutes Gerät zum günstigen Preis.

  7. Kasimir

    schrieb am 30. September 2007 um 22:26 Uhr (#)

    Hat jemand Erfahrung mir dem Blackberry von Freenet??? Ist das mit der Dreifachbelegung der Tasten wirklich ein Problem???


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