HD-Camcorder Sony HDR-HC3 im Test, Teil 3:
Arbeiten mit HDV

Links zu Teil 1 und Teil 2 des Tests.

Im dritten und letzten Teil unseres Tests des Sony High-Definition-Camcorders HDR-HC3 wollen wir untersuchen, was der Stand der Technik bei der Nachbearbeitung und der Distribution von HD-Video heute ist. Wie in den vorhergehenden Teilen beschrieben, macht es einem der HDR-HC3 einfach, sehr ansehnliches Videomaterial in Hochauflösung zu produzieren. Aber was macht man später damit?

Das verwendete HDV-System ist der direkte Nachfolger des verbreiteten DV-Standards. Die Kassetten sind identisch, und dementsprechend arbeitet das neue Format auch mit einer identischen Datenrate von 25MBit/s. Da aber bei HD natürlich ein Vielfaches an Bildpunkten verarbeitet werden muss, wurde das Kompressionsverfahren geändert: HDV arbeitet mit dem bekannten MPEG 2-Standard, der auch für DVDs verwendet wird.

Der Unterschied zu DV ist hierbei recht wichtig für die Nachbearbeitung und die Qualitätserwartungen, die man an HDV stellen kann. DV verwendet eine sogenannte Intraframe-Kompression, d.h. jedes Bild wird einzeln mit dem MJPEG-Verfahren komprimiert, die Kamera schiesst sozusagen 25 volle Digitalbilder pro Sekunde. Das resultiert in relativ geringen Kompressionsverlusten, die sich grösstenteils auf eine reduzierte Farbauflösung beschränken.

HDV hingegen setzt zusätzlich auch eine temporale Kompression ein, d.h. in einer Abfolge von Einzelbildern werden nur die Differenzen von einem Bild zum anderen abgespeichert, was natürlich viel weniger Platz braucht. Wenn man sich bei einer typischen Videoaufnahme mal genau ansieht, was sich von Bild zu Bild eigentlich ändert, ist das meistens wenig. Ein paar Objekte verschieben sich leicht, einige Pixel sind leicht anders, und das war’s oft schon. Diese Tatsache macht sich die MPEG2-Kompression zunutze, um einen sehr viel höheren Kompressionsfaktor zu erreichen.

Der grosse Nachteil sind die resultierenden Kompressionsartefakte, also die sichtbaren Bildfehler, die durch die Kompression verursacht werden: Erstens ist die Berechnung der Differenzen zwischen den Bildern nicht immer ganz exakt, und darum bewegen sich manchmal einzelne Objekte nicht exakt gleich wie der Rest des Bildes (wenn man z.B. einen Baum filmt und etwas mit der Kamera zittert, bewegt sich womöglich der Stamm leicht anders als die Baumkrone). Das fällt bewusst kaum auf, stört aber den Zuschauer unbewusst doch recht deutlich. Zweitens ändert sich beispielsweise bei einem schnellen Schwenk so viel im Bild, dass der Kompressor die Datenrate herunterfahren muss — bei schnellen Bewegungen wird das Bild darum sehr pixelig. Diese Fehler werden bei einem hochauflösenden Bild natürlich recht deutlich sichtbar.

So grossartig also die hochauflösende Qualität von HDV ist, so sehr muss man beim Filmen an diese Kompressionsartefakte denken, wenn man wirklich beste Qualität erreichen will. Die Verwendung eines Stativs empfiehlt sich schon allein deswegen mehr denn je.

Dass HDV die gleiche Datenrate wie DV verwendet, heisst allerdings nicht, dass die Nachbearbeitung darum problemlos vonstatten geht. Die Übertragung von HDV-Material auf den Schnitt-PC ist noch ziemlich einfach und funktioniert wie bekannt über die Firewire-Schnittstelle. Komprimierte HDV-Aufnahmen sind natürlich auch nicht grösser als ihre DV-Pendants.

Danach gehen die Schwierigkeiten aber los: Die MPEG2-Kompression ist erheblich rechenintensiver als das DV-Format, und darum ist es auch nicht so ohne weiteres möglich, mit den gleichen technischen Prinzipien zu schneiden wie zuvor. Die Hersteller von Schnittsoftware verwenden darum drei verschiedene Ansätze:

  • Die erste Generation der HDV-fähigen Programme wandelte HDV zunächst in ein unkompromiertes Zwischenformat um, das sich einfacher verarbeitet lässt (Adobe bietet für Premiere Pro 1.5 ein kostenloses Plugin an, das so arbeitet). Der Nachteil dabei ist höherer Platzbedarf und zusätzliche Renderingzeit für die Formatwandlung.
  • Die neuste Generation der bekannten High-End-Schnittprogramme (z.B. Adobe Premiere Pro 2.0, Final Cut Pro 5, Avid XPress Pro) verarbeitet HDV hingegen im nativen Modus, d.h. ohne Zwischenformat. Das erleichtert das Arbeiten enorm, erfordert aber erheblich mehr Prozessorpower.
  • Ganz preiswerte Lösungen wie Ulead Video Studio Plus gehen einen dritten Weg: Geschnitten wird mit niedrigauflösenden “Stellvertreter”-Files, die hochauflösende Version wird erst ganz am Schluss gerechnet.

Obwohl alle Softwarehersteller fleissig das Gegenteil behaupten, muss man sich über eines im Klaren sein: HD-Editing benötigt einen deutlich stärkeren PC als DV-Editing. Ein Test auf einem Notebook (Intel Centrino 1.6 GHz, 1.5 GB RAM), das DV noch ohne Probleme verarbeiten kann, zeigte das deutlich. HD-Bearbeitung war zwar möglich, aber nur mit stotternden Bildraten und endlos langen Renderingzeiten. Nicht gerade das, was man sich für flüssiges Arbeiten wünscht. Als Minimalvoraussetzung sollte man von einem PC mit mindestens 3.2 GHz, nicht unter 1 GB RAM und sehr schneller Festplatte ausgehen. Für wirklich vernünftiges Arbeiten ist eine Dual-Core- oder Multiprozessormaschine zu empfehlen. Natürlich gibt es von den üblichen Herstellern wie Matrox auch Beschleunigungskarten, die spezifisch auf HD-Bearbeitung optimiert sind. Wenn man anspruchsvollere Projekte plant, lohnt sich da sicher ein Blick.

HD-Bearbeitung ist inzwischen also schon recht gut möglich, aber ein echtes Problem ist nach wie vor die Distribution. Schliesslich will man seine fertigen Werke nicht nur auf der Festplatte lagern, sondern auch anderen zugänglich machen.

Die herkömmliche DVD ist da natürlich nur ein unbefriedigender Kompromiss, da nicht HD-fähig. Die neuen Formate HD-DVD und Blu-Ray Disc stehen erste gerade in den Startlöchern und kämpfen noch mit diversen technischen Problemen, von der echten Geräteverfügbarkeit mal ganz zu schweigen. Realistisch geschätzt dürfte es wohl noch etwa ein Jahr dauern, bis diese Formate wirklich praxisfähig einsetzbar sind.

Als einzige realistische Option bleibt dem geneigten HD-Hobbyfilmer im Moment nur, das fertige Werk auf den Camcorder zurückzuspielen und direkt von dort wiederzugeben. Nicht gerade elegant, aber derzeit der einzige Weg, die volle Qualität auf den Screen zu bringen.

Zum Fazit: Hochauflösendes Videofilmen hat sich inzwischen vom exotischen, teuren Abenteuer zu einer durchaus consumerkompatiblen Aktivität entwickelt. Der Sony HDR-HC3 als Vertreter der bereits dritten Generation von HDV-Camcordern zeigte sich im Test als problemlose Filmmaschine mit vielen Stärken, aber auch einigen erstaunlichen Schwächen. Hochauflösender Videoschnitt ist inzwischen gut machbar, auch wenn Besitzer älterer PCs mit einem Upgrade rechnen sollten. Der Pferdefuss beim ganzen ist weiterhin die Distribution der fertigen Werke, die wohl in der nächsten Zeit noch auf das gute alte Videoband angewiesen ist.

Insgesamt ist HD jetzt also auch für Videofilmer definitiv in der Early-Adopter-Phase angekommen und auf dem besten Weg, massentauglich zu werden.

 

Mehr lesen

Test DJI Phantom (3/3): Kamera läuft!

23.5.2013, 4 KommentareTest DJI Phantom (3/3):
Kamera läuft!

Der Phantom von DJI ist eine einsteigerfreundliche Video-Quadcopter-Drohne. Im Test hat sie sich bewährt.

Digitales Fernglas Sony DEV-50V: Fern sehen und aufnehmen

29.4.2013, 3 KommentareDigitales Fernglas Sony DEV-50V:
Fern sehen und aufnehmen

Ferngläser sind bislang meist rein optische Produkte - von Nachtsichtgeräten einmal abgesehen. Sony bringt nun ein digitales Fernglas auf den Markt, das von allem etwas hat: Feldstecher, Nachtsichtgerät, Video- und Fotokamera. Und das bei Bedarf auch noch in 3D.

iCrane: Kamerakran für Smartphones, Tablets und Spiegelreflexkameras

15.10.2012, 1 KommentareiCrane:
Kamerakran für Smartphones, Tablets und Spiegelreflexkameras

Bei Startnext sammelt der deutsche Designer und Erfinder Carsten Waldeck derzeit Geld für die Erstserie eines besonders leichten, günstigen und schnell einsetzbaren Kamerakrans für Profi- und Amateuraufnahmen ein. Sein iCrane soll für unter 300 Euro in den Handel kommen und Kamerafahrten zum Kinderspiel machen.

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder