LG Mobile KG800 Chocolate im Test, Teil 2:
Touchpad und Texteingabe

Peter Hogenkamp, 5. August 2006 02:23 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Der Teil 1 - Auspacken - liegt schon einige Wochen zurück. Seitdem habe ich das Gerät fast durchgehend als “Primärhandy” im Einsatz gehabt. Ich fühle mich daher einigermassen befugt, hier das Ergebnis dieses fast schon Langzeittests zu beschreiben.

Zunächst noch einmal vorab: Es stimmt, was alle sagen: Das Chocolate sieht echt gut aus. Wenn man es vor sich auf den Tisch legt, macht es ein gutes Gefühl, dass man stylemässig auf der Höhe ist, es ist ein Hingucker, man wird angesprochen. Wem das alles sehr wichtig ist, der ist daher vielleicht mit dem Handy gut bedient. Ich war es nicht.


Die wichtigsten Funktionen eines Handys sind Telefonieren und smsen, erst deutlich später folgen bei mir Fotografieren sowie Adressen und Termine abgleichen (sofern ich mich entschieden habe, diesen letzten Job überhaupt diesem Handy anzuvertrauen). Bei allem überzeugt das Chocolate nicht. Daher ist Teil 2 eine Art “Special Report” lediglich zur Texteingabe.

Im Ruhezustand ist das Handy völlig schwarz, auch die neun berührungsempfindlichen Tasten (”Touchpad” genannt) sind abgedunkelt. Erst wenn man das Handy aufschiebt, wobei auch die konventionelle Tastatur zum Vorschein kommt, leuchten sie auf. Doch leider ist es recht sehr ungewohnt, auf einem Handy kein klares Feedback zu bekommen, ob man eine Taste erfolgreich gedrückt hat oder nicht, denn man nutzt es ja naturgemäss oft unterwegs, ohne sich voll aufs Tippen zu konzentrieren. Manche Tester meinten, nach ein paar Tagen seien einem das Touchpad in Fleisch und Blut übergegangen; mir ging es nicht so, ich musste immer dreimal kontrollieren, ob ich auch wirklich wählte oder aufgelegt hatte. Das Chocolate stürzt einen sozusagen in ein Wechselbad: Die Nummerntasten unten sind angenehm zu bedienen, die Tasten auf dem Touchpad gar nicht - schlimm, wenn man sie direkt nacheinander benutzt.
Die nächste Hürde ist es, dass das Chocolate auch beim Telefonieren nach einiger Zeit alle Anzeigen ausschaltet, also sowohl das LCD-Display als auch das Touchpad und schliesslich auch die beleuchteten Tasten. Wer viel im Zug oder auf der Autobahn telefoniert, kennt die Situation, dass man bei schlechtem Empfang zwischen zwei Antennen oft nicht weiss, ob das Gespräch noch aktiv oder schon abgerissen ist. Auflegen möchte aber nur, wenn es wirklich weg ist. Das Chocolate, komplett schwarz, gibt einem keinerlei Rückmeldung - es sei denn, man tippt auf den winzig kleinen “End”-Button (ausgerechnet!) auf der Seite, dann wird das Display wieder aktiviert. Für dieses “Feature” musste ich die Anleitung konsultieren. Vermutlich ist es zum Stromsparen gedacht, doch es nervt sehr.

[Kurzer Einschub eines Themas aus Teil 4: Wundersam ist nur, dass bei dieser konsequenten Stromsparerei nicht mehr herauskommt. Die Standby-Zeit des Chocolate kam mir sehr kurz vor. LG gibt die Gesprächszeit mit 3 Stunden und die Standby-Zeit mit 200 Stunden an. Wenn ich aber einmal das Ladegerät zuhaus vergessen hatte (und von so einem exotischen Format hat man ja nur eins), hatte ich immer gleich ein Problem. Im normalen Betrieb mit Standby und moderat viel Telefonieren kam ich nie über 36 Stunden.]

Das nächste Ärgernis war das SMS schreiben. Ich habe nie an einem Wettbewerb teilgenommen, aber ich schreibe mit eingeschaltetem T9 mit einem ganz ordentlichen, für mich ausreichenden Tempo, wobei ich auch bei SMSen auf korrekte Schreibweise achte, was Gross- und Kleinschreibung und Interpunktion angeht. Mit dem Chocolate kam ich mir dabei regelmässig vor wie ein Rentner, der seine ersten Nachrichten verschickt. Ich brauchte ein paar Tage, um herauszufinden, woran das liegt, und habe bei der Gelegenheit erstmals bewusst gemerkt, dass es grosse Unterschiede dabei gibt, wie Handys im Texteingabemodus die Umschaltung zwischen Klein- und Grossbuchstaben handhaben. [Beim Chocolate, bei einem Samsung und einem Nokia habe ich das verglichen und werde demnächst mal separat darüber posten.]

In der Regel ist man beim Schreiben einer SMS im Modus “=abc” (die beiden Striche sind eigentlich etwas gegeneinander verschoben und deuten an, dass der Eingabemodus T9 eingeschaltet ist). Wenn man die Grosschreibung umschaltet (in der Regel durch Drücken einer Taste mit einem Pfeil nach oben), wechselt der Modus meist zu “=Abc” oder “=ABC” oder “123″. Dies ist nicht einheitlich, sondern je nach Handy muss man etwa einmal oder mehrmals Pfeil-nach-oben drücken, um von “=abc” auf “=Abc” zu kommen und den ersten Buchstaben des nächsten Wortes gross zu schreiben. Meist gewöhnt man sich schnell daran. Nur beim Chocolate ist das leider aus meiner Sicht völlig zufällig - mal einmal, mal zweimal, mal dreimal. So irrte ich jeweils zwischen den Modi herum, verwechselte gross, klein und Zahlen und musste mich auch für die kürzeste Mitteilung sehr konzentrieren.

Genau genommen sind es vier Faktoren, die das smsen mit dem Chocolate so anstrengend machen:

  • Das Chocolate schaltet nach einem Punkt am Satzende nicht selbst von “=abc” auf “=Abc” (erster Buchstabe gross), womit die meisten Handys einem diesem Schritt abnehmen.
  • Es unterstützt nicht das Einfügen einer Zahl durch Festhalten der Taste; man muss über die Umschaltung in den Zahlenmodus gehen, also hinterher auch wieder zurück. Unglaublich nervig, wenn man etwa eine Uhrzeit eingibt, die ja zwischen den Zahlen noch einen Punkt hat - hier muss man viermal umschalten.
  • Am schlimmsten ist es das beschriebene Umschalten zwischen den Modi in zufälliger Reihenfolge.
  • Die Backspace-Taste (nicht der Einfachheit halber mit “C” beschriftet wie überall sonst, sondern mit einem merkwürdigen offenen Oval) liegt nicht unten auf dem Tastenfeld, sondern oben auf dem Touchpad, so dass man beim Antippen der Taste zum Löschen eines Zeichens - was häufig vorkommt wegen der ersten drei Faktoren - genau kontrollieren muss, ob man auch tatsächlich getroffen hat, was den Schreibfluss zusätzlich hemmt.

Das mag alles sehr spitzfindig klingen, aber ich habe es extra für diesen Post mit der folgenden Testnachricht probiert:

“Nehme Zug um 6.11, also um 7.11 am Flughafen. Treffpunkt unten am Bahnhof? Gruss, Peter”

Mit einem Nokia und einem Samsung brauche ich für diesen Text gleichermassen um die 50 Sekunden (mit dem Nokia bin ich etwas schneller, aber das ist Gewohnheitssache eben wegen der unterschiedlichen Umschaltung). Mit dem Chocolate brauche ich eher gegen zwei Minuten, also mehr als doppelt so lange, und das auch noch nach mehr als vierwöchigem Einsatz. Hier kann definitiv etwas nicht stimmen.

Teile 3 und 4 folgen.

» Mehr lesen: Mobiltelefon (555)

» Weitere Artikel der Kategorie "Kommunikation" lesen

» Nächster Artikel: Windows Media Player 11 Beta 2 im Test
» Älterer Artikel: ABCD-Tastatur: aufgeräumt oder Sesamstrasse?

» Drucken
» Merken/E-Mail

3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. mirco

    schrieb am 9. August 2006 um 16:26 Uhr (#)

    ganz schön ärgerlich, wenn die 2. hauptfunktion (smslen) so umständlich daherkommt.

    trotz dem heute nicht nur nerds alles klein schreiben, ist für mich die umständliche wechslerei bei der zahleneingabe klar ein no go für den schokoladenkauf.

    thanx für den ausfühlichen bericht!

    gruss
    mirco

  2. Laghza

    schrieb am 28. April 2007 um 17:02 Uhr (#)

    Ce téléphone d’un luxe excellent je souhaiterai avoir plus d’information en langue française merci de votre compréhension et tout en espérant avoir une suite de vous. Recevez mes amicales

  3. Valentina

    schrieb am 2. September 2007 um 12:56 Uhr (#)

    ich habe das chocolate handy noch nicht gekauft…
    aber in 2tagen habe ich geburtstag und dann bekomme ich es.ich werde einmal das handy austesten wie es ist ect.
    melde mich dan wieder..!
    ;) gruss Valentina


2 Trackbacks

  1. neuerdings.com » Blog Archive » LG Mobile KG800 Chocolate im Test, Teil 3: SMS-Eingabe im Film
    (15. August 2006 06:16)
  2. neuerdings.com » Blog Archiv » LG KF600 im Test: Vibrierende Venus
    (5. Juli 2008 13:17)

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

 
blogoscoop