Swisscom Mobile und der vierdimensionale Tarifwürfel

Mal ehrlich, kann sich irgendjemand Roaming-Tarife merken? Es ist ja schon schwer genug, die inländischen einigermassen im Griff zu haben, aber bei denen spielt doch in den meisten Ländern ein mehr oder weniger starker Preiswettbewerb — doch sobald man das eigene Land verlässt, ist der für die meisten vorbei, vermutlich verschliesst der Konsument einfach die Augen vor der Komplexität.

Und kompliziert ist es wirklich. Um die Preise abzubilden, brauchte man einen vierdimensionalen Würfel, mit den Seiten Abo/Tarif, Land Standort, Land Ziel und Dienst. Wer sich die Seiten der meisten Mobilfunkanbieter anschaut, stellt fest, dass diese einigermassen versagen beim Versuch, ihren Kunden dieses komplexe Gebilde näherzubringen.

Nun macht aber Swisscom Mobile einen neuen Versuch, die Preise benutzerfreundlich abzubilden, unter www.swisscom-mobile.ch/roaming. Am Anfang sieht es ganz einfach aus:

“Womit kommunizieren Sie?” ist vielleicht nicht ganz eindeutig, da könnte auch ein Handy gemeint sein, aber man sieht ja dann beim Dropdown, dass sie die Tarife meinen:

Puh, 21 Tarife. Gehen wir der Einfachheit davon aus, dass man seinen Tarif kennt (ist in der Praxis oft nicht der Fall, wie Tests mit Usern zeigen; auch ich weiss zum Beispiel den Tarif von meinem deutschen vodafone-Abo nicht, das ich selten nutze). Dann kann man weiterklicken und die beiden Länder auswählen.

Mal angenommen, ich bin mit meinem Schweizer Handy in Spanien im Urlaub und telefoniere nach Deutschland, dann muss ich nur zweimal klicken:

Super wäre hier, wie praktisch bei jeder Länderauswahl, wenn man zum Beispiel alle EU-Staaten und die USA in der Liste nach oben nehmen würde (hat man immerhin mit der Schweiz gemacht, aber wer roamt schon mit der Schweiz), damit nicht Deutschland neben Djibouti ist.

Wer denkt, dass jetzt eine einfache Liste mit den Diensten — unserer vierten Dimension — kommt, den erschlägt die Folgeseite immer noch fast (Ansicht nach Einblenden der Details):

Uff. Wie wäre mal eine Vereinfachung der Tarifstruktur statt einer versuchten Vereinfachung der Darstellung?

Nicht ganz zufriedenstellend angesichts der Tatsache, dass es eine mobile Seite ist, die man vielleicht auch mal eben aus dem Ausland (wäre doch denkbar, oder?) nutzen will, ist die technische Umsetzung. Bei jedem Dropdown wird die gesamte Seite inkl. 180 kB Javascript neu geladen, sogar auf der Zielseite (140 kB) wird sogar beim Klick auf die “+”-Zeichen alles neu aufgebaut. Nicht eben so super, wenn man diese Abfrage mal schnell in Spanien mit der Swisscom-UMTS-Karte machen will, um billiger zu telefonieren.

Apropos, wenn man davon ausgeht, dass diese UMTS-Session in Spanien 2 MB Traffic generiert, was kostet sie dann gleich wieder? Moment… Ah ja, 28 Franken. Ich glaub, ich bleib lieber zuhause.

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2 Kommentare

  1. grundel&hatz
    schrieb am 11. April 2006 um 23:28 Uhr (#)

    meinen wir das nur, oder wäre das ziehen von schlüssen auf der basis von vielerlei faktoren typischerweise eine aufgabe für COMPUTER?! wir hätten uns die roaming-abfrage fast mehr wie den sbb-fahrplan vorgestellt … von da nach da via da und bitte 1. klasse. so kann man sich täuschen!

  2. Dirk
    schrieb am 12. April 2006 um 13:33 Uhr (#)

    Na, da können zumindest wir EU-Mitglieder froh sein, dass die Kommission die seltsamen Roaming-Gebühren praktisch abschaffen wird. Schöne Grüße nach Pivitsheide! :-)

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