Fazit:
Das war die CeBIT 2006

Andreas Göldi, 16. März 2006 09:37 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Jetzt sind sie vorbei, die sieben schönsten (oder zumindest intensivsten) Tage des Jahres für die die deutschsprachige IT-Branche. Die CeBIT wurde einmal mehr ihrem Image als absoluter Pflicht-Termin unter den IT-Messen gerecht. Alle beklagen sich immer wieder über die Unübersichtlichkeit, die langen Wartezeiten, das schlechte Essen, die hohen Preise, die merkwürdige Themenmischung usw., fahren aber trotzdem jedes Jahr wieder hin. Denn: Nirgendwo sonst in Europa bekommt man einen so kompakten Überblick über die aktuellen IT-Trends wie in Hannover.

Dieses Jahr musste die CeBIT allerdings einen weiteren Besucherrückgang hinnehmen. Offen wurde von namhaften Ausstellern auch in Frage gestellt, ob die Mischung zwischen Fachpublikum und Konsumenten noch stimmt. Die Messeleitung ist trotzdem — natürlich — zufrieden und weist auf angeblich 85% Fachbesucher-Quote und die “um 20% gestiegene Zahl von Vertragsabschlüssen” hin — wie auch immer man die gemessen hat.

Doch eins ist eindeutig: die CeBIT ist eine Messe, die sich auf der Suche nach ihrer Identität befindet und einen grossen Spagat wagt. Seit Jahren versucht man, den Wachstumsmarkt Unterhaltungselektronik in die Messe zu integrieren, ohne gleichzeitig die alte B2B-Kundschaft zu vergraulen. Resultat ist eine Messe, auf der man in der einen Halle die Europameisterschaft im Ego-Shooter “Counter Strike:Source” verfolgen und sich dann zwei Hallen weiter über die neusten Lösungen für das Scannen von Steuerformularen informieren kann. Was hat das miteinander zu tun, ausser dass beides mit Strom läuft?

Was hinzu kommt: die Konsumenten werden an der CeBIT noch längst nicht optimal angesprochen. Die entsprechend orientierten Stände sind vergleichsweise viel weniger spektakulär als beispielsweise an der IFA, das gezeigte Produktangebot viel weniger umfassend. Die Konvergenz-Sonderschau “Digital Living” war eine eher traurig-halbherzige Veranstaltung, die wohl niemanden zum Kauf eines Media-Center-PCs oder einer HDTV-Anlage anregen wird.

Als normaler Konsument verlässt man die Messe vermutlich verwirrter, als man sie betreten hat. Besonders im traditionell unübersichtlichen Telecom-Bereich ist das Chaos so gross wie noch nie. Brauch ich denn jetzt Voice-over-IP oder Skype oder lieber Home-Zone fürs Handy? Oder ist das schon in “Triple Play” enthalten? Und wenn ich unterwegs fernsehen will, brauch ich da UMTS oder DMB? Oder doch lieber DVB-T? Oder was ganz anderes? Die Branche macht beim besten Willen derzeit keinen guten Job damit, ihre Lösungen konsumentenfreundlich zu verpacken.

Was gab es an der CeBIT denn überhaupt an echten Neuheiten? Nun, eigentlich eine ganze Menge, wenn auch die wirklich spektakulären Ankündigungen fehlten. Aber immerhin, mit dem UMPC/Origami wurde an der CeBIT eine komplett neue PC-Produktkategorie vorgestellt. Das passiert auch nicht alle Tage.

Bezeichnend bei der UMPC-Vorstellung war aber, dass der eigentliche “Buzz” primär im Internet stattfand, während die real anfassbaren Geräte an den Messeständen eher auf mässiges Interesse stiessen. Vielleicht ist auch das typisch: Physische Messen verlieren zunehmend ihren Charakter als Rahmen für grosse Ankündigungen oder als effiziente Informationsquelle.

Beim Bloggen kam uns die CeBIT dann manchmal auch vor wie eine grosse Sportveranstaltung: Natürlich kriegt man im Stadion mehr von der Stimmung mit, aber wenn man wirklich was sehen will, sollte man sich lieber zu Hause die Übertragung anschauen.

Insofern hoffen wir, dass wir mit unserem CeBIT-Blogging ein paar treffende Eindrücke für unsere zu Hause gebliebenen Leser einfangen konnten. Neuerdings.com macht natürlich auch nach der Messe weiter mit News und Kommentaren zu den neusten Gadget-Trends.

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5 Kommentare zu diesem Artikel

  1. gebsn

    schrieb am 16. März 2006 um 11:53 Uhr (#)

    Einen Blick auf die CeBIT und das Sozialverhalten wirft Wiglaf Droste unter http://www.jungewelt.de/2006/03-15/021.php. Nicht nur positiv, aber wunderbar geschrieben.

  2. Peter Hogenkamp

    schrieb am 16. März 2006 um 14:53 Uhr (#)

    Hallo Gebbi,
    danke für den Link, ja, liest sich sehr schmerzhaft. Droste ist aber auch selbst schuld, wenn er für solche Fälle keinen iPod dabei hat.
    Diese Typen kann man aber in deutschen Zügen auch leicht ausserhalb der CeBIT treffen. Und sogar Schweizer Zügen. Mit mir stieg mal in Bern eine Frau in den Zug ein, holte das Handy raus und telefonierte ununterbrochen bis nach Zürich (damals noch 1:10), mit einer Freundin, die sie lange nicht gesehen hatte. Immer, wenn man dachte, es ist zu Ende, kam: “Und was macht eigentlich…” Hinterher wusste ich alles über ihr Leben und zehn weitere Leute auch.
    Es scheint schlicht mir eine Frage von Wahrscheinlichkeiten zu sein, wo man solche Menschen antrifft: in Deutschland öfter als in der Schweiz. in der 2. Klasse öfter als in der 1. (Ausnahmen fallen dann umso mehr auf), während der CeBIT öfter als ohne. Und, zum Glück für Zugfahrer, eigentlich generell öfter im Auto als im Zug.
    Gruss, Peter

  3. polissilop

    schrieb am 16. März 2006 um 15:20 Uhr (#)

    Gratulation zum Livebloggen von der Cebit. Hat gerockt!

  4. Marcel

    schrieb am 16. März 2006 um 17:58 Uhr (#)

    “Hat gerockt” - lustig, wusste gar nicht, dass man das auf deutsch auch schon sagt … :-)

  5. Anke Richter

    schrieb am 31. August 2006 um 21:48 Uhr (#)

    Also danke für diesen kleinen Kurzreport, ich konnte leider dieses Jahr nicht dabei sein. Aber das Erlebnis die Messe verwirrter zu verlassen als man angekommen ist kommt mir bekannt vor…. Trotzdem fand ich es bis jetzt immer wieder interesaant, auch die Mischung der Themen.

    Liebe Grüße


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